Thielle und die neue Zeit - aus aktuellem Anlass!


In diesen spannenden Corona-Krönungs-Zeiten poste ich gerne ein Kapitel aus meiner Broschüre „Thielle und die neue Zeit“. Christina und ich haben uns aktuell mit Henry David Thoreau befasst. In unseren Augen war er ein Vorreiter des Naturismus! Ich stelle in diesem Text den Zusammenhang zu Thielle her: Thielle als Paradies im Sinne von Thoreau - das ist inspirierend und zukunftsweisend! Back to the roots, und vorwärts in die Zukunft, in freudigem Bewusstsein!

Die Broschüre ist nach wie vor als pdf verfügbar.



Thoreau und die neue Zeit - Seite 28 ff


Henry David Thoreau, ein amerikanischer Natur-Pionier des 19. Jahrhunderts, ist ein wunderbares Beispiel eines beschwingten und positiven Philosophen der Neuzeit. Er hebt sich angenehm gegen die Philosophieprofessoren ab, denn er zieht in den Wald, arbeitet mit den Händen, errichtet seine eigene Blockhütte und ist ganz einfach glücklich. Seine Verbindung zum Geistigen ist offensichtlich. In unbekümmert-jugendlichem Scharfsinn (er schreibt sein Buch mit 28 Jahren) analysiert er die Schwächen der westlichen Zivilisation und macht es besser.

Sein Buch „Walden“, im Wald 1845 geschrieben am See ‚Walden’ im Osten Amerikas, ist eine wahre Fundgrube des freien Lebens und der Be-geisterung. Er lebte zweieinhalb Jahre an diesem einsamen See.

Lesen wir ein wenig darin! Wir werden sehen, dass für unser Thema viel darin zu gewinnen ist.

Am Anfang des Buches analysiert Thoreau ziemlich niederschmetternd:


Die Mehrzahl der Menschen bringt ihr Leben in stiller Verzweiflung hin. Was wir Resignation nennen, ist nichts anderes als chronische Ver-zweiflung. Aus der hoffnungslosen Stadt geht man aufs hoffnungslose Land und sucht Trost an der Schönheit von Nerz und Bisamratte. S. 13


Er hat leider auch heute noch überwiegend recht! Die Gesamtstimmung unserer westlichen Welt ist Negativität, an der auch materieller Reichtum nichts ändern kann. Wir haben keine grossen Visionen, die religiösen Bindungen sind verloren gegangen, und für viele ist das Leben nur ein Überleben, das sie mit verschiedenen Ablenkungen hinter sich zu bringen versuchen.

Thoreau sieht das, aber er lässt sich nicht von seinem positiven und erfüllten Weg abbringen. Vielmehr sagt er, dass der materielle Reichtum die Menschen eher von der Lebensfreude ablenkt als ihnen Erfüllung bringt:


Fast jeder Luxus und viele der sogenannten Bequemlichkeiten des Lebens sind nicht nur entbehrlich, sondern ein ausgesprochenes Hindernis für die Höherentwicklung der Menschheit. Die Weisesten haben in dieser Beziehung seit jeher dürftiger und einfacher gelebt als die Armen. Die alten Philosophen: Chinesen, Hindus, Perser und Grie-chen bildeten eine Klasse, die an äusseren Gütern ärmer, aber an inneren reicher waren als jede andere. S. 19


Gemäss Thoreau können wir uns also glücklich schätzen, wenn wir nicht zu viel materielle Güter besitzen. Er trifft sich hier mit Werner Zimmermann, der immer wieder betont, dass er nicht viel zum Essen braucht, dass Fasten gesund ist, und dass das Spielen und der Sport in der Natur sehr bereichernd sind.


Thoreau schreibt nicht viel über religiöse Themen, obwohl er die Veden und viele andere heilige Schriften einschliesslich der Bibel studiert hat. Für ihn ist Religion zunächst einmal ein Verbundensein mit sich selbst und mit der Natur:


Ich stand sehr früh auf und badete im See. Das war eine religiöse Übung und eine meiner besten Handlungen. Es heisst, in der Badewanne des Königs Tsching-Tschang sei folgende Inschrift eingemeisselt gewesen: ‚Erneuere dich vollständig jeden Tag; tue es immer wieder, für alle Zeit.’ S. 98


Baden ist also eine religiöse Übung. Wie schön! Baden heisst, sich mit der Natur, mit dem Göttlichen in der Natur verbinden. Baden ist göttlich. Es ist eine Frage des Bewusstseins. Stürze dich in den See und erlebe es als Erleuchtung. Wenn du so denkst, dann wirst du auch erleuchtet sein.

Baden heisst auch Erneuerung. Wenn wir mit Gott lachen, erneuern wir uns ständig; wenn wir wie Thoreau mit Vergnügen in der Natur leben und auf vieles verzichten, erneuern wir uns ebenfalls.


Es gibt auch einige Stellen, die direkt auf Gott bzw. das Göttliche eingehen.


Der Umgang mit den Heiligen hat unsere Sitten verdorben. Unsere Gesangsbücher hallen von melodiösen Lästerungen Gottes wider und dem Versprechen, ihn ewig erdulden zu müssen. Selbst die Propheten und Erlöser, könnte man sagen, haben die Menschheit mehr in ihren Sorgen getröstet, als in ihren Hoffnungen gestärkt. Nirgends findet sich der Ausdruck einer einfachen, unbezähmbaren Freude über das Geschenk des Lebens oder einer denkwürdigen Lobpreisung Gottes. S. 87


Die unbezähmbare Freude ist die eigentliche Religion. Diese Freude ist eine Lobpreisung Gottes, ob sie will oder nicht.

Thoreau hat Recht mit seiner Meinung über die melodiösen Lästerungen. Fort mit einem Gott, den wir erdulden müssen! Hier sehen wir wieder eine wunderbare Übereinstimmung mit WZ, der die Freude, die Loslösung von Autoritäten, die Freiheit als Vorbedingung jeder neuen Art von Religion sah.

(Übrigens hat sich auch Mahatma Gandhi, der sich in seiner Haltung des zivilen Ungehorsams an Thoreau orientierte, sehr kritisch über falsche Gottes-Beziehungen geäussert.)


Der Mensch, der nicht glaubt, dass jeder Tag eine Stunde der Morgenröte enthält, früher und heiliger als die, die er bereits entweiht hat, ist am Leben verzweifelt und bewegt sich auf absteigenden dunklen Wegen. S. 99


Thoreau lebt und sieht das volle, lustvolle, heilige, wunderbare Menschsein. Alle, die dieses Menschsein nicht leben und sehen, sind in seinen Augen verzweifelt. Wie recht er hat!

Thoreau formuliert schon 1845, dass wir im Paradies leben und dies nur oft nicht zu sehen imstande sind:


Wenn die Menschen nur ständig die Wirklichkeit beobachteten und sich nicht täuschen liessen, das Leben wäre, um einen bekannten Vergleich zu wählen, ein Märchen aus ‚Tausendundeiner Nacht’. S. 106


Er fühlt sich auch von Gott persönlich bevorzugt:


Wenn ich mich mitunter mit meinen Mitmenschen vergleiche, dann will mir scheinen, dass ich weit über mein Verdienst hinaus von den Göttern bevorzugt werde; dass sie mir Gewähr und Sicherheit geben, die meine Mitmenschen nicht besitzen, als würde ich von ihnen besonders gelenkt und beschützt. S. 145


Es scheint mir, dass das Gelände in Thielle ebenfalls von den Göttern bevorzugt ist. Ein solcher „Geist“ ist nicht leicht zu finden, er entsteht aus der „Hebung“, die von Rombach beschrieben wurde, und natürlich aus dem Engagement der zentralen Personen. Ebenso wichtig sind die Geschichte und die Traditionen, selbst wenn dies nicht immer bewusst ist. Thielle ist dem Paradies nah und wird von vielen als Paradies empfunden.


Die wahre Ernte meines täglichen Lebens ist etwas so Unberührbares, so Unbeschreibliches wie die Himmelsfarben am Morgen oder Abend; sie ist eine Handvoll eingefangenen Sternenstaubs, ein Stückchen Regenbogen. S. 236


Das ist wunderbare göttliche Poesie der Fülle, das ist ein Tor zu den Märchen aus Tausendundeiner Nacht, das ist das Erleben der über-sprühenden Qualität des Lebens.


Und zuletzt noch ein Zitat, das uns aufruft, in den Wald zu ziehen, uns auf den Weg zu machen, um unser Leben zu verzaubern:


Ich bin in den Wald gezogen, weil mir daran lag, bewusst zu leben, es nur mit den wesentlichen Tatsachen des Daseins zu tun zu haben. Ich wollte sehen, ob ich nicht lernen könne, was es zu lernen gibt, um nicht, wenn es ans Sterben ging, die Entdeckung machen zu müssen, nicht gelebt zu haben. Ich wollte kein Leben führen, das eigentlich kein Leben ist, dazu war es mir zu kostbar. S. 100


Lasst uns so leben, dass wir ebenfalls später sagen können: Wir haben intensiv, mit Vergnügen, Liebe und Lachen gelebt. Wir haben es voll genossen! Denn dafür ist das Leben da. Thielle ist eine wunderbare Gelegenheit, dies in ganzer Intensität zu tun.





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