Ein Oktober-Tag in Thielle


Gegen Ende Oktober ist Thielle speziell speziell. Vor allem an einem Regentag. Da ist fast niemand - oder doch?

Am Abend war Sauna. Da kamen wir zu dritt zusammen; eine Kollegin, ein Kollege und ich.

Wir sprachen über die strenge Regel des heiligen Benedikt. Der Kollege hatte sie in einem Benediktiner-Kloster ein wenig studiert. „Da sind auch sehr gute Regeln drunter“, fand er.

Daraufhin interpretierten wir Thielle als Kloster. Allerdings mit weniger Regeln, dafür mit viel Freiheit.

Die Kollegin wies auf die gegenseitige Hilfsbereitschaft hin. Ich glaube, sie ist eine, die oft kleine Blumengestecke aufstellt und Feigen aus ihrem Garten verschenkt.

Thielle ist mein „Club“. Ich gehe hin, um zu entspannen, um Menschen zu treffen, um mich auszutauschen, um das Gefühl einer neuen Zeit zu geniessen oder es mir einzubilden - und wenn möglich Sport zu machen.

An so einem Tag höre ich natürlich auch viel, z.B. dass es wieder mal einen Leitungs-Wechsel gibt. In der Sauna sind wir uns einig, dass der Stiftungsrat sehr gute Arbeit leistet - und dass da wieder mal eine Herausforderung fürs Ganze vorhanden ist.

Ich habe viel Saxophon gespielt heute. Als mal die Sonne schien, saxophonierte ich draussen. Als es regnete, dudelte ich im ersten Stock des Lichthauses. Da gibts viel Licht, das passt zu den hohen Tönen.

Am Spätnachmittag trafen wir uns auf meine Initiative hin im Foyer zum Singen und Musizieren. Das Feuer flackerte (meistens), und wir sangen hingebungsvoll zur Ukulele. Wir waren nur wenige. Am Schluss spielte ich einen Abba-Song (I have a dream) und den Beatles-Song „Let it be“ mit dem Sax und einem Playback. Eine ältere Thiellerin stand auf, stellte sich neben mein Notenpult und sang kräftig und freudig die beiden Songs mit.

Sie gehört zu denen, die aufgrund besonderer Umstände kein Radio oder sonstiges Audio-Gerät haben. Umso glücklicher war sie, mal wieder Musik zu hören und zu singen. Ich werde ihr ein kleines Radio schenken.

Gekocht und gegessen habe ich in der Aussenküche. Bei beiden Mahlzeiten war ich allein. Das hat mir gefallen. Die Aussicht war schön, ich genoss die Weite. Es war vom Regen geschützt, und noch warm genug draussen am Abend.

Ich geniesse die Freiheit in Thielle. Jeder macht was er will. Das wird geschätzt und akzeptiert. Eine schöne Verbundenheit ist zu spüren, und auch gegenseitige Wertschätzung.

Ich hatte mein Münz für die Sauna und für die Dusche vergessen. Der Kollege hatte auch kein Münz übrig. Dafür legte er mir ein härziges Basler Leckerli hin.

Ich war gut eingepackt gekommen, mit meiner schweren Jacke, mit Ersatzwäsche, mit Frottierwäsche, einem Regenschirm etc.

Aber der Kollege? - „Ich gehe nackt im Regen zum Wohnwagen“, rief er fröhlich beim Abschied. Da kann ich noch was lernen!

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