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Werner Zimmermann - eine Skizze

November 4, 2017

 

 

Werner Zimmermann – eine Skizze

 

Aus Rolandos Broschüre "Thielle und die Neue Zeit", 2012.

 

Werner Zimmermann (geb. 1893 in Lyss, gest. 1982 in Ringgenberg)  war ein begeisterter und begeisternder Mensch. Seine Werke atmen Positivität, Hingabe und Kompetenz. 

Als junger Mann ist er voller Enthusiasmus und Wagemut: Nach sechs Jahren als Lehrer an der Schule in Lauterbrunnen verabschiedet er sich lächelnd, um als Wanderarbeiter die Welt zu erkunden. Nach dem Reisebuch „Weltvagant“ schreibt er, mit 28 Jahren, sein pädagogisches Werk „Lichtwärts“ (1921). Er schneidet alte Zöpfe radikal ab: Man soll die Schule abschaffen, weil sie die Kinder verbiegt. In der neuen, lichtvollen „Freiland“-Gesellschaft ist sie nicht mehr nötig, weil die Eltern ihre Kinder selbst unterrichten, weil die aufgeweckten, intelligenten Jugendlichen sich ihr Wissen selbst erarbeiten.

Sein schwungvoller, jugendlicher Stil macht Spass:

 

Das Leben ist einfach herrlich! Ach, warum schwatzen und schreiben wir, anstatt einfach zu leben! Seid Täter des Wortes!   S. 170

 

Er steckt voller Lebensfreude, er tanzt den Tanz des Lebens, er schlägt Purzelbäume:

 

Der Segen schüttet immer voller! Ich stehe vor Übermut auf dem Kopf und zapple mit den Beinen!   S. 174

 

Gleichzeitig ist er sehr ernst: Er sieht die Seelennot der Zeit und glaubt, helfen zu können: Im spirituellen, religiösen Sinn, durch die Freiwirtschaft Silvio Gesells, mit seinen lebensreformerischen Ideen.

 

Seine Vision der Freilandfrau ist beeindruckend. Nach einem Zitat von Gesell (den er persönlich kannte) „sucht sich die Frau den Vater ihrer Kinder jeweils selbst“. Zimmermann ist sehr angetan von diesem Zitat. Er findet, dass eine Beziehung nur weiter bestehen soll, wenn wirklich lebendige Liebe in ihr herrscht. Alles andere ist ihm zu wenig, und man soll sich lieber trennen als eine langweilige oder öde Beziehung leben.

Im Freiland bekommt jede Mutter eine Grundrente. Sie ist nicht mehr wirtschaftlich abhängig von ihrem Mann und entscheidet sich in voller Freiheit für die Liebe. 

Trotzdem ist für Zimmermann die Einehe das Ideal - nur nicht in der konventionellen Form. Er hält trotzdem nicht viel von Trauscheinen und Standesämtern, weil die Liebe selbst das göttliche Band ist.

 

Er lernt 1930 Mahatma Gandhi kennen. Er verehrt den Mahatma sehr, und doch bewahrt er sein Urteil. Beispielsweise denkt er als freier Europäer kritisch über das radikale Zölibats-Denken des Meisters. Warum ist sexuelle Enthaltsamkeit nötig, wenn die Liebe vollkommen ist?

 

1937 wird das Naturistengelände Thielle von Zimmermann sowie Elsi und Edi Fankhauser gegründet. 

 

Wir finden ihn einige Jahre später auf einer Reise durch Amerika, Japan und Indien (s. Buch „Zu fernen Ufern“). 

In Indien, welches 1949, nach dem Tod Gandhis, erst seit kurzem unabhängig ist, hält er zahlreiche Vorträge über die Freiwirtschaft. Er besucht einen internationalen Friedenskongress, der von den Nachfolgern Gandhis und der indischen Regierung veranstaltet wird. Danach zieht er durchs Land, auf Einladung zahlreicher Universitäten und der Regierung.

Er wird von prominenten Bank-Direktoren angehört und publiziert in Zeitungen.

Zimmermann sieht eine Chance, dass im neu erstandenen Indien seine Ideen auf fruchtbaren Boden fallen, doch er erlebt Enttäuschungen, als die indische Regierung seine weiteren Vorschläge kaum in Betracht zieht.

Gleichzeitig ist er erschöpft von der langen Reise und von den Herausforderungen Indiens - so erschöpft, dass er nach der Heimkehr an den Brienzer See erst einmal 6 Wochen Erholung nötig hat.

 

Zimmermann hat einen Teil von „Lichtwärts“ in den Bündner Bergen geschrieben. Während er 14 - 18 Stunden pro Tag Lasten von 28 - 40 kg durch die Berge schleppt, schreibt er sein Buch!

Und das nach einer Fastenperiode von 12 Tagen. Seit Wochen isst er nur getrocknete Rosinen und Feigen sowie Haselnüsse.

 

Die Arbeit leiste ich spielend. Ich schwitze nie, vertrage Hitze, Sturm und Kälte...S. 31

 

Also nicht nur ein freudiger und gescheiter, sondern auch ein sehr willensstarker und kräftiger Mensch.

 

Ich betone hier besonders die philosophisch-spirituellen Aspekte:

 

Zimmermann spricht vom „sonnigen Menschen“, vom „Gottmenschen“. Er „fordert das Höchste“. 

Als Visionär sieht er die nächste Stufe des menschlichen Bewusstseins. Er ist sich darüber klar, dass unsere Gedanken unsere Realität schaffen, und geht konform mit den modernsten Erkenntnissen der Quantenphysik.

 

Der sonnige Mensch kennt keine Zweifel mehr, da er sich eins weiss mit Gott. Zimmermann selbst ist jenseits des Zweifels und geniesst ein gesundes Selbstvertrauen.

 

In Bezug auf die Religion fordert er, dass der Einzelne seinen eigenen Glauben schaffen soll. Er ist inspiriert vom chinesischen Weisen Laotse und dem deutschen Mystiker Meister Eckhart, welcher bereits im 13. Jahr-hundert die Einheit des Menschen mit Gott sah.

„Da wir eins mit Gott sind, brauchen wir keine Kirche,“ sagt Zimmermann.

 

Für ihn ist Religion - im neuen Sinne - das eigentliche Zentrum des Menschseins. Er betrachtet alle bestehenden Religionen kritisch, da sie fast immer die Menschen manipulieren und in vorgespurte Bahnen drängen. Lieber keine Religion als so eine!

Trotzdem ist ihm die Religion das Wesentliche und steht höher als wirtschaftliche Fragen.

 

Das liest sich so:

 

Die Erlösung ist da! Tot sind die Drachen Kirche und Mate-rialismus! Ich - und du - und wir alle - wir sind seelenvolle Wesen, sind erlöst! Freue, freue dich!   S. 168

 

Er sieht einerseits die Bedeutung der Wissenschaft und des materiellen Denkens. Aber er sagt, dass hier das Kind mit dem Bade ausgeschüttet wurde, denn die Wissenschaft wird wiederum wie ein Götze verehrt. 

 

Das ist eben das Unwissenschaftliche unserer „Wissenschaft“, dass sie gewissen Tatsachen, die nicht ins materialistische Dogma pas-sen,...geflissentlich ausweicht...Sie ist zum Götzen geworden. Nur ja nicht die Möglichkeit zugeben, es könnten Kräfte wirksam sein, die wir nicht roh mechanisch nachweisen und beherrschen können!   S. 163

 

Er definiert eine neue Form von Religion, er ist Begründer einer Religion der Freiheit, der Lebensfreude, des Übermuts, des Muts, der Kraft und der Liebe. So sieht sie aus:

 

Wer mit Gott eins sein will, muss restlos allen Autoritätsglauben überwinden. Er muss frei sein. Der Religiöse ist der vollkommen Er-zogene, der ausschliesslich nach eigenen, als nach den göttlichen Ge-setzen Handelnde, der in lächelnder Ruhe Schreitende.   S. 159

 

Zimmermann war zu seiner Zeit ein führender Autor. Im Jahr 1953 waren bereits 814’000 Exemplare seiner Bücher gedruckt worden. 

Es ist ein wenig verwunderlich, dass man kaum mehr von ihm spricht. Vielleicht ist er auch heute noch der Zeit voraus? Das soll es geben...

 

In seinem Buch „Mahatma Gandhi“ beschreibt Werner Zimmermann seine persönliche Bekanntschaft mit dem Mahatma, der ihn sehr beeindruckt und beeinflusst hat. WZ hat ihn in Indien besucht und trifft ihn auch in Europa.

Als bei den Anhängern Gandhis bekannt wird, dass sich Zimmermann für die Freikörperkultur einsetzt, wird es ein wenig ungemütlich. Auf einer Zugfahrt in der Schweiz spricht Zimmermann Gandhi darauf an – und die-ser reagiert überraschenderweise sehr positiv.

Bei einer späteren Versammlung dieser Gruppe wird Gandhi gefragt, warum sich die spirituellen Werte in Europa so wenig verbreiten. Er antwortet, dass es zu wenig führende Menschen gebe, die diesen Geist auch repräsentieren können. Wer denn so eine Führung übernehmen könne? Gandhi verweist auf Zimmermann, was unserem Helden grosse Genugtuung verschafft.

Zimmermann erhielt auf seinen Reisen mehrere Ehren-Doktortitel, so dass wir ihn mit Stolz „Professor Dr. h.c. Werner Zimmermann“ nennen dürfen.

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