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Ich finde diese Freiheit wunderbar - von Andreas

November 3, 2017

 

 

Andreas T. über Thielle 

 

Interview mit Rolando 2014

 

Roland: Was spürst du in Thielle? Du kommst als externer Seminarleiter, bereits zum dritten Mal. Wie kommt es dir vor?

 

Andreas: Es gibt für mich zwei Seiten. Ich bin durch Peter T. hierher gekommen. Er hat mir immer vorgeschwärmt. Ich hatte den Eindruck: Da muss eine spezielle Atmosphäre sein, das möchte ich erleben. Dann komme ich her und sehe diese Mauer, die riesigen Schleusentore, das Büro, die etwas biedere Wohnwagen-Welt. Was ist da los? Ich könnte genauso gut auf einem Camping-Platz am Mittelmeer sein, da sieht es ähnlich aus. In Thielle ist es noch extremer mit dieser Mauer. Das gibt am Anfang ein komisches Gefühl. 

Und dann habe ich die ersten Begegnungen, und ich merke: O doch, da ist etwas anderes da. Da ist ein Geist von Thielle spürbar. 

 

Ich habe es am stärksten erlebt mit den Thiellern, die zu meinem speziell angebotenen Tanz gekommen sind. Da ist jedes Mal etwas Besonderes passiert. 

Beim ersten Mal kam eine alte Dame aus dem Tessin, N. Wir alle waren bekleidet, aber N. war nackt, mit ihren 80 Jahren oder mehr. Sie stellte sich vor mich hin und sagte: So, mit dir will ich jetzt tanzen. Sie nahm mich am Arm, und los ging der Tanz - natürlich auch in ihrem speziellen Stil. Aber so eine Freiheit und Kindlichkeit! Ich dachte mir: Wenn ich mal 80 bin, und mich nackt vor eine junge Frau hinstelle und sage: Mit dir will ich jetzt tanzen - dann habe ich mein Ziel erreicht. Sie hatte so einen Charme dabei, da konnte ich nicht widerstehen. Alle Muster über das Alter, über die Schönheit, wurden über den Haufen geworfen. 

Dieses Jahr hat ein junger Mann mit Down Syndrom teilgenommen. Der hat etwas Wunderbares in das Tanzen hineingebracht, zusammen mit den Thiellern. In dieser Unschuld! Er hat einfach getanzt, was aus ihm herauskam. Am Schluss machten wir einen Kreis. Er hat einen Sprachfehler. Er sagte irgend etwas Unverständliches. Ich fragte ihn: Was hast du gesagt? ,Härz---Schnuf‘. ,Härz-Schnuf, das braucht ihr.‘ Herz-Schnaufen! Er sagte auf einmal etwas tief Philosophisches! Ich habe lange darüber nachgedacht, und es beschäftigt mich immer noch. Ich spürte: Da kommt etwas aus einer anderen Dimension. Er hat etwas wahrgenommen und gespürt, und er hatte eine Botschaft. Das sind solche kleinen Dinge. Bei den Menschen hier in Thielle, da ist etwas, eine Art Öffnung. Deswegen sind sie da. Ich glaube, sie wollen damit auch eine Kultur geben. Sie wollen einen Rahmen geben. Ich sehe auch die Beschränkungen darin. Manchmal gibt es dogmatische Leute: Was soll die Musik? Wir haben hier Ruhe auf dem Gelände! Sie geben sich etwas ärgerlich, pochen auf die Regeln. (Roland lacht)

Aha, denke ich - die gibt es auch. Das sind die beiden Seiten. Aber ich sehe viele Menschen hier, die offen sind, die ein Feld schaffen wollen. Wahrscheinlich wird deswegen auch unsere Arbeit in Thielle so gut akzeptiert. Ich finde es stark, dass unser Kurs hier stattfinden kann. 

 

Roland: Und wie steht es mit dem Nacktsein?

 

 

Andreas: Ich habe eine Geschichte mit dem Nacktsein. Wir waren sehr katholisch in der Familie. Für mich waren die Nackten immer die Perversen. Ich hatte grosse Vorurteile, und zwar lange, bis etwa 30. Ich habe ein starkes Thema damit, mit dem Nacktsein, mit der Sexualität. Diese Themen gehören zu unseren stärksten kulturellen Wunden. Hier in Thielle fühle ich mich einfach wohl. Einfach so hinausgehen! Das wächst auch bei uns im Kurs. Die Leute bedecken sich am Anfang noch. Irgendwann am zweiten Tag geht es auch "Oben ohne“, und dann stürzen wir uns nackt in den See. Was ist dabei? Ist irgend etwas anders?

 

 

 

Es ist angenehm, es ist einfacher. Natürlich passiert es schon noch, dass man ein wenig guckt: Was hat jetzt der da? (Beide lachen). Diese Spiele kommen von der kulturellen Verletztheit her. Hier in Thielle ist man wirklich an einem anderen Ort in dieser Beziehung. Ich finde diese Freiheit wunderbar, sehr wichtig. Es weist auf die Wunder in Bezug auf die Nacktheit und auf die Scham hin. Es ist wichtig, dass es so einen Ort gibt. 

 

 

 

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